Der Bandscheibenvorfall – Geißel der Bürotätigkeit

„Mir geht es wie dem Jesus, mir tut mein Kreuz so weh!“ – singt der bekannte österreichische Liedermacher Wolfgang Ambros. Laut Studien kann jeder Patient im Laufe seiner Krankengeschichte mindestens einmal diesem Satz beipflichten, da in westlichen Länder Rückenschmerzen mittlerweile schon zu einer Volkskrankheit geworden sind. Bei jedem siebenten Patienten mit Rückenschmerzen lautet die Diagnose „Bandscheibenvorfall“.

Funktion der Bandscheibe

Die menschliche Wirbelsäule besteht aus einer Vielzahl an Wirbeln, welche durch die sogenannten Bandscheiben ineinander gelagert sind. Diese Bandscheiben ermöglichen erst die Flexibilität mit der unsere Wirbelsäule ausgestattet ist. Die Bandscheibe selbst besteht aus einem knorpelartigen Aussenring, der einen gallertarigen Kern umgibt. Diese Konstruktion ermöglicht sowohl die Biegsamkeit der Wirbelsäule als auch die Dämpfung der Stoßbelastung zwischen den Wirbelsegmenten.

Der Bandscheibenvorfall

Beim Begriff „Bandscheibenvorfall“ muss aufgrund der Schädigung der Bandscheibe(n) eine Unterteilung in 3 Arten erfolgen:

  1. Die Bandscheibenprotrusion
  2. Bei der Bandscheibenprotrusion bleibt die Bandscheibe an sich völlig intakt. Lediglich der Kern der Bandscheibe ist deformiert und drückt auf den knorpelartigen Aussenring, der durch den Druck ebenfalls verformt wird.

  3. Der Bandscheibenprolaps
  4. Bei dieser Art tritt ein Teil des gallertartigen Kerns der Bandscheibe aus. Da der Austritt mit dem Kern noch immer verbunden ist findet keine Abkapselung der ausgetretenen Kernflüssigkeit statt.

  5. Die Sequestration
  6. Wie beim Prolaps findet hier ein Austritt des Kerns statt wobei sich der Austritt vom inneren Kern jedoch abspaltet und sich abkapselt.
    In jedem dieser 3 Fälle kann es durch die Schädigung der Bandscheibe(n) zu einem Druck auf die Nervenwurzeln, das Rückenmark oder der Nervenfaserbündel kommen, welcher zu den unterschiedlichsten (meist schmerzhaften) Symptomen führen kann. Die genaue Art der Schädigung kann vom Arzt durch Röntgenaufnahmen, Computertomographie oder Myelographie (Röntgenaufnahme mittels Kontrastmittel) bestimmt werden.

Anzeichen eines Bandscheibenvorfalls

Die Anzeichen eines Bandscheibenvorfalls können sehr unterschiedlich ausfallen. Je nach betroffenem Bereich reichen die Symptome von Arm- oder Beinschmerzen über Taubheitsgefühl, Muskelschwäche, Lähmungen einzelner Muskelbereiche, Krämpfe, Blasenlähmung, fehlende Beherrschung der Blasen- und Darmfunktion bis zur kompletten Lähmung der Beinmuskulatur.
Wer über andauernde Rückenschmerzen klagt und eines oder mehrere Symptome dieser Art verspürt, dem sei es dringend geraten einen Arzt aufzusuchen.

Die Ursachen

Die häufigsten Gründe für einen Bandscheibenvorfall sind jahrelange Über- bzw. Fehlbelastung der Wirbelsäule wie es zum Beispiel bei jeglicher Art von Berufsgruppen der Fall ist, die Ihre Tätigkeit vorüberwiegend sitzend ausüben. In einigen Fällen ist auch eine gewisse erbliche Vorbelastung der Grund für die Schädigung der Bandscheiben. Zu den „Risikogruppen“ zählt man vor allem Menschen in einem Alter zwischen 30 und 50 Jahren bzw. Frauen während einer Schwangerschaft oder fettleibige Personen. Diese sind aufgrund einer Überbelastung der Wirbelsäule besonders gefährdet.

Was kann ich tun?

Die konservative Therapie
Derzeit gibt es in der Medizin zwei Therapieformen. Bei der „konservativen Therapie“ wird durch Bettruhe zuerst gewährleistet, dass die Wirbelsäule entlastet wird. Gleichzeitig erfolgt durch eine medikamentöse Behandlung die Auflösung von Muskelverspannungen und eine Linderung der Schmerzen.

In weiterer Folge findet eine physiotherapeutische Behandlung statt, die durch verschiedene Behandlungsmethoden (Massage, Reizstromtherapie) eine Entlastung der Wirbelsäule zum Ziel hat.

Zu den konservativen Methoden zählt weiters auch noch die „peridurale Infiltration“ , bei der unter computertomographischer Kontrolle schmerzstillende, entzündungshemmende und gewebsverödende Medikamente millimetergenau an die schmerzende Nervenwurzel verabreicht werden. Dadurch kommt es zu einer Eindämmung der um die Nervenwurzel stattfindenden “mechanischen Entzündung” und zu einer Abschwellung des Nerven.

Die operative Therapie
Heutzutage wird nur mehr bei akuten Massenvorfällen unter Begleitung von Lähmungserscheinungen, bzw. bei fehlgeschlagener konservativer Therapie, zu einer Operation geraten.

Da traditionelle, offene Operationsverfahren mit unabsehbaren Risiken behaftet sind und einen längeren Aufenthalt im Krankenhaus mit sich bringen, wurden so genannte minimalinvasive Verfahren zur Operation entwickelt. Diese Verfahren können zwar ambulant und relativ unkompliziert durchgeführt werden, jedoch nur bei Personen die zuvor noch keinen operativen Eingriff an der jeweiligen Bandscheibe hatten.

Zu den mittlerweile beliebtesten Verfahren der minimalinvasiven Operation gehören die:

  1. Laserabtragung der Bandscheibe:
  2. Dieses Operationsverfahren ist nur für unkomplizierte, frische Vorfälle geeignet.
    Diese Maßnahme beruht auf dem Prinzip der Volumenreduktion im Bereich der Bandscheibe die mittels eines medizinischen Lasers durchgeführt wird.

  3. Mikrochirurgische Chirurgie:

Über einen kleinen Schnitt wird unter Einsatz eines Mikroskopes der Bandscheibenvorfall herausgeschnitten.

Die sind bei weitem nicht die Einzigen operativen Verfahren zur Beseitigung eines Bandscheibenvorfalls jedoch aus medizinischer Sicht die Schonendsten.

Fazit: Wer einem Bandscheibenvorfall vorbeugen möchte, der sollte in erster Linie sehr viel Flüssigkeit zu sich nehmen. Die Bandscheiben sind wie ein Schwamm, der die Körperflüssigkeit in sich aufnimmt. Je praller dieser Schwamm gefüllt ist, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit, dass der Bandscheibenkern Schaden nimmt.

Ist der Bandscheibenvorfall schon Tatsache, dann hilft im einfachen Fall eine Entlastung der Wirbelsäule durch gezieltes Rückentraining oder im schwersten Fall eine Operation.

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