Krank durch Liebesschmerz
Das „Broken-Heart-Syndrom“
Die Sorgen, die sich Silke über ihren Zustand macht, sind durchaus berechtigt. Tatsächlich können extreme emotionale Situationen, wie der Verlust, die Trennung oder der Tod eines geliebten Menschen, dem Herzinfarkt ähnliche Symptome auslösen.
Eine Studie der John Hopkins Universität in Baltimore (USA) belegt, dass durch die so genannte „Stress-Kardiomyopathie“ die Aktivität des Herzen massiv beeinträchtigt werden kann. Die Stress- Kardiomyopathie ist eine seltene, akut einsetzende und oft schwerwiegende Funktionsstörung des Herzmuskels, die vermutlich durch erhöhte Bildung von Stresshormonen hervorgerufen wird. Die Symptome gleichen denen eines Herzinfarktes und treten meist unmittelbar nach einer außerordentlichen emotionalen oder körperlichen Belastung auf. Diese Störung ist auch unter dem Namen „Broken-Heart-Syndrom“ bekannt.
Bis dass der Tod euch scheidet
Oft hört, liest oder erlebt man Fälle von kurz nacheinander verstorbenen Ehepartnern. Der Verlust des am meisten geliebten Menschen auf dieser Welt löst nicht selten beim verbliebenen Ehe- oder Lebenspartner den emotionalen Stress aus, der für die Stress- Kardiomyopathie verantwortlich zu sein scheint.
Obwohl die genaue Ursache dieser Funktionsstörung noch immer unbekannt ist, wird den Stresshormonen Adrenalin und Noradrenalin ein wesentlicher Anteil am Auftreten des Broken-Heart-Syndroms zugeschrieben.
Ein erhöhter Anteil dieser Hormone im Blut kann erwiesenermaßen die Pumpkapazität des Herzens beeinträchtigen und somit bei älteren Menschen mit Herzschwächen zum Tode führen.
Obwohl die Stress-Kardiomyopathie bei älteren Menschen aufgrund ihrer physischen Schwächen zum Tode führen kann, ist diese Funktionsstörung an sich eher harmlos.
In den meisten Fällen kann sie durch zweiwöchige Bettruhe wieder behoben werden, wodurch sich der Herzmuskel wieder zurückbildet und erholt. In den meisten Fällen ist nicht einmal eine medikamentöse Behandlung erforderlich.
Wer im Liebeskummer die Symptome eines Herzinfarktes verspürt (plötzlich auftretende, starke, drückende oder brennende Schmerzen im vorderen oder linken Brustbereich, Schmerzen im linken Arm, Beklemmungs- oder Engegefühl), der sollte dennoch den Weg ins Krankenhaus nicht scheuen, denn es könnte trotz ähnlicher Symptome auch ein wirklicher Infarkt sein.
Vorbeugung
Wer das Gefühl hat, der Himmel stürzt plötzlich über einen zusammen, sollte seine Familie oder Freunde – sofern sie sich nicht selbst anbieten – um ein Gespräch bitten. Auch ein Psychologe kann in den meisten Fällen eine sehr hilfreiche Stütze bei der Verarbeitung von traumatischen oder emotional belastenden Lebenssituationen sein.
In jedem Fall sollte man versuchen, seinen Kummer nicht in sich „hineinzufressen“, da dies mitunter auch ernste körperliche Schäden hervorrufen kann. Wie sagte schon der englische Dramatiker William Shakespeare? „Der Kummer, der nicht spricht, nagt am Herzen, bis es bricht.“
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