Der Karikaturist

Der Zeichner legte zwei Finger an die Schläfe und kniff die Augen zusammen. Es galt eine Idee für eine Karikatur zu finden. Langsam geriet er in Not. Mit seinen Ideen war es bestellt wie mit seinem Konto: Die Vorräte waren ausgeschöpft – nur überziehen ließ sich das Ideenkonto nicht.

Wenn er der Zeitung keine Cartoons mehr liefern würde, wäre er raus aus dem Geschäft.

Morgen war der Abgabetermin und heute die Nacht davor.

Noch einmal gab sich der Karikaturist in Gedanken an die Themen der Artikel, die er in der Zeitung gelesen hatte. Immer die gleiche Innenpolitik: Die Regierung ringt um einen Entschluss und der Rest des Artikels war gefüllt mit den Meinungen derjenigen, die den Entschluss kritisierten. Wo soll denn da die Idee für eine Karikatur herkommen?

Könnte man ausdrücken, dass die Wirtschaft und die Medien heutzutage die Politik machen. Genau, denkt er, ich male die Politiker als Marionetten geführt durch Medien und Wirtschaftsbosse. Sogleich zieht sein Stift über das Papier, skizziert grob die Politiker, die an den Fäden hängen.

Eben will er die Holzkreuze zeichnen und sie beschriften, da fängt seine Hand zu zittern an. Er will seine Striche weiter ziehen, aber seine Hände scheinen ihm nicht mehr zu gehorchen. Sie sind wie gebunden. Schweiß tritt ihm auf die Stirn. Fassungslos sah er seine Hände Dinge tun, die nicht aus seinem Willen kamen. Plötzlich meinte er ein lautes Lachen zu hören. Erschreckt schaute er nach oben und starrte mit weiten Augen auf das große Holzkreuz, dass über ihm schwebte und an dessen Enden dicke Schnüre hinab hingen, denen er mit den Augen folgte bis… – es konnte nicht sein- …zu seinen Händen, die fest durch die Schnüre gebunden waren und nun wild auf und ab schwangen. Wieder blickte er hoch und sah, wie auf dem Holzkreuz in dicken Lettern „Wirtschaft“ und „Medien“ stand.

Wie irre lachte er erneut, nahm seinen Stift, malte eine große gelbe Gummiente, die im weiten Ozean vor sich hinschaukelt – rief dann: Wie macht die Ente?

„Quiek!“ . . . und lachte – lachte und lachte.

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