Hochzeit – die zweite

Die Zahlen sprechen für sich: Immer mehr Menschen in Deutschland versuchen nach einer Scheidung eine zweite Ehe. Rund ein Viertel der heiratswilligen Paare geben sich bereits zum zweiten Mal das Ja-Wort vor dem Standesbeamten, allerdings mit unterschiedlichen Partnern.

In den sechziger und siebziger Jahren war das noch ganz anders. Die Frauen übten meist keinen eigenen Beruf aus und verdienten kein eigenes Geld. Die Abhängigkeit zum eigenen Mann war zu groß, so dass eine Scheidung kaum in Frage kam. Natürlich war auch eine gewisse Scham im Spiel, schließlich wollte man ja nicht „ins Gerede der Leute“ kommen.

Heute ist das ganz anders: Sehr viele Ehefrauen stehen neben ihrer Rolle als Hausfrau mitten im Berufsleben, immer mehr in führender Position. Sie haben sich in gewisser Weise einen unabhängigen Status erarbeitet und treten mit entsprechendem Selbstvertrauen auf. Auch erregt heute eine Scheidung kein besonderes Aufsehen mehr, man kann schon fast sagen, sie gilt als „normal“.

Bei der Gestaltung des zweiten Hochzeitsfestes gibt es allerdings geteilte Meinungen. Während die einen außer der standesamtlichen Trauung und einer kleinen Feier innerhalb der Familie möglichst unauffällig heiraten möchten, gilt bei der anderen Gruppe scheinbar das Motto „Jetzt erst recht“. Sie lassen bei der Planung ihrer zweiten Hochzeit nichts wegfallen: Angefangen vom Versenden der Einladungskarten über das weiße Brautkleid, das der zukünftige Ehemann natürlich nicht vor der Trauung sehen darf, bis hin zur Feier mit allem Drum und Dran bis hin zur Hochzeitsreise auf eine Trauminsel. Da es für die zweite Hochzeit keine festen Regeln oder Rituale gibt, ist es einfach die persönliche Einstellung, die den Ablauf des Festes bestimmt.

Während bei den evangelischen Christen eine zweite kirchliche Trauung relativ problemlos möglich ist, hat bei den Katholiken die kirchliche Eheschließung einen anderen Stellenwert. Um hier zum zweiten Mal den kirchlichen Segen zu erhalten, müssen die Brautpaare unter Umständen auf freiberufliche Pfarrer zurückgreifen.

G. Wittmann – text & graphik

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