Zeichnen und die Kunst

Zeichnen hat viel mit Kunst aber auch mit Schreiben zu tun. Zum Beispiel das Schreiben mehrerer Texte über Kunst, sofern diese wie dieser nicht am Laptop entstanden sind. Zeichnen ist wie das Spielen auf einem Instrument, eine freie, gleitende Bewegung der Hand über eine Fläche. In einer Zeichnung sind der Duktus der Hand aber auch die kaum wahrnehmbaren Gedanken zu spüren. Wenn beim Schreiben Elemente wie Worte, Sätze und Absätze aus Buchstaben geformt werden, ist das wie das Zusammenfügen von Symbolen und Zeichen zu einer Zeichnung. Das Schreiben interessanter Texte, z.B. über Kunst, vermutlich gehört dieser nicht unbedingt dazu, ist immer eine Aufgabe für den Intellekt. Der versucht nicht nur die Hand zu kontrollieren, damit so etwas wie Kunst dabei rauskommt, sondern auch noch das Gedachte sprachlich in eine angemessene Form zu bringen. Aber eben sprachlich – das ist der Unterschied zum Zeichnen. Hier wird ein Bild, mitunter auch Kunst genannt, angefertigt, das viel von der Persönlichkeit in jedem Strich unterstreicht.
Interessant ist, dass beim Schreiben die Persönlichkeit sich hinter den Buchstaben verstecken kann. Das gelingt beim Zeichnen deutlich weniger. Man könnte sagen, der Duktus ist wie etwas Unbewusstes, das sich aus dem Geist auf das Blatt Papier quält.
Eine Zeichnung ist wie ein Fingerabdruck der Persönlichkeit, unverfälschbar wie das Individuum. Mal wird eine Linie dick, mal dünn, mal schwungvoll auf das Papier gebracht und keiner kann so richtig erklären, warum ausgerechnet diese eine etwas stärker gezeichnet wurde als die andere. Und genau an diesem Punkt scheitern die Kopisten und bleiben damit hinter der Kunst des Originals. Beim Kopieren der Texte eines Schreibers ist es etwas anders, aber auch hier bleibt noch viel vom Charakter des Urhebers erhalten.

Roger Schmidt
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