Traumdeutung und Psychoanalyse

Die beiden wichtigsten Vertreter der Psychoanalyse und der dort zentralen Traumdeutung sind Sigmund Freud, der Begründer der klassischen Psychoanalyse und C.G. Jung. Jung war einer seiner Nachfolger, der bekannt wurde mit der sogenannten Analytischen Psychologie. Zwischen den beiden Therapieverfahren gibt es grundlegende Gemeinsamkeiten, aber auch einige Unterschiede. Beiden gemeinsam ist unter anderen deren analytisch-aufdeckender, psychodynamischer Charakter, vor allem aber auch die zentrale Bedeutung der Traumdeutung.

Träume deuten, also die Entschlüsselung der Traumsymbole und Traumhandlung, ist das zentrale Instrument zur Bewusstmachung von Unbewusstem. Der Traum zeigt, was unbewusst ist, nicht zum Ich gehört und ermöglicht über die Deutung die Integration ins Ich. Bewusstmachung ist der Kern der Psychoanalyse. Beide Therapieverfahren kennen auch andere Instrumentarien wie z.B. die freie und gerichtete Assoziation, doch in quantitativer und qualitativer Hinsicht ist die Traumdeutung am bedeutendsten. Nicht umsonst haben die beiden Begründer auch heute noch viel gelesene Bücher über Traumdeutung geschrieben.

Die beiden Psychotherapieverfahren unterscheiden sich in der Vorgehensweise und konkreten Deutung. Selbst innerhalb der gleichen Grundausrichtung (Tiefenpsychologie, Psychoanalyse) ist also Traumdeutung nicht gleich Traumdeutung. In der klassischen Psychoanalyse ist Traumdeutung stets mit Kindheit und sexuellen Angelegenheiten verbunden, unbewusst sind vor allem sexuelle Wünsche und damit einhergehende Schuldgefühle.

Träume zeigen insbesondere den Ödipus-Komplex und dessen in der Kindheit teilweise misslungene Überwindung.

Ganz anders die Traumdeutung bei Jung. Er erkennt in vielen Traumsymbolen Archetypen, menschheitsgeschichtlich relevante Ursymbole, die bedeutsame, ewige Dauerthemen des menschlichen Daseins darstellen, z.B. Krieg, Geburt und religiöse Suche. Diese Archetypen übertragen sich auf den Menschen als ein Menschheitserbe schon bei der Geburt, sie sind also von persönlich-individuellen Erlebnissen zunächst unabhängig.

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