Die Guillotine – „Humanes“ Hinrichtungsinstrument

Fällt das Wort „Guillotine“ so denkt man dabei an die Hinrichtungen im Mittelalter oder an die Massenköpfungen des blutrünstigen Robespierre im Rahmen der Französischen Revolution des 18. Jahrhunderts. Doch tatsächlich wurde der letzte Delinquent Deutschlands erst vor 58 Jahren und in Frankreich sogar erst im Jahre 1977 mit dem Fallbeil ins Jenseits befördert.

Französische Revolution

Vorläufer der Guillotine wie das „Fallbeil von Halifax“ oder die „Schottische Jungfrau“ kamen bereits im 13. bzw. 17. Jahrhundert zur Anwendung. Durch die Massenhinrichtungen während der Französischen Revolution erlebte diese Tötungsart jedoch ihre blutige Renaissance. Zum Tode Verurteilte waren bis dahin grausam gefoltert, gerädert, gehenkt oder mit einem Handbeil geköpft worden. Letzteres Unterfangen erforderte mehrere kräftige Schläge des Henkers mit einem mehr oder weniger scharfen Beil. Dieses unmenschliche Sterben veranlasste Dr. Guillotin der Nationalversammlung vorzuschlagen, ein mechanisches Enthauptungsgerät einzuführen, um unnötiges Leiden der Delinquenten zu vermeiden. Vom Pariser Henker Charles Henri Sanson unterstützt und nach einem Gutachten des Königlichen Leibarztes Antoine Louis mit beigelegtem Entwurf nach Vorbild des Fallbeils von Halifax wurde Guillotines Antrag stattgegeben. Ab 1792 wurde daher nur mehr das Fallbeil zur Hinrichtung benutzt.
In der Folge konstruierte der deutsche Klavierbauer Tobias Schmidt im Auftrag der Franzosen die erste Guillotine. Er verbesserte die Form der Schneide von halbmondförmig auf schräg und erhöhte das Gewicht des Fallbeils, um eine vollständige einmalige Abtrennung der Köpfe zu garantieren. Dr. Guillotin war übrigens mit der Benennung des neuen Fallbeils nach ihm angeblich sehr unglücklich. Dem neuen Hinrichtungsinstrument sollten im Zuge der Französischen Revolution (1789-1799) an die 30.000 Menschen zum Opfer fallen. Darunter der französische König Ludwig XVI., Marie Antoinette, Georges Dantons und letzten Endes auch Maximilien de Robespierre.

Entwicklung und Pannen

Mit den Jahren wurde die Guillotine immer weiter verbessert, um den Vorgang des Köpfens weiter zu verkürzen. Durch Änderungen an den Vorrichtungen, des Auslösungsmechanismus und flinkere Vollzugspraxen konnte das Leiden der zum Tode Verurteilten zeitlich minimiert werden. Der deutsche Scharfrichter Johann Reichhart verzichtete in etwa auf das zeitaufwändige Fixieren des Verurteilten auf der Richtbank.

Sein Assistent hielt den Todgeweihten stattdessen fest, während dieser bäuchlings liegend vom Fallbeil getroffen wurde. Pannen waren natürlich trotz der durchdachten Techniken nicht vollständig zu verhindern. Manche Hälse bzw. Nacken – wie angeblich der König Ludwigs XVI. – waren stärker als andere, sodass ein Schnitt alleine nicht reichte, um den Kopf völlig abzutrennen. Auch versuchten einige Delinquenten ihren Kopf zurück zu ziehen und wurden somit nicht am Nacken, sondern an anderen Stellen des Kopfes getroffen. Keine appetitliche Geschichte…

Verwendung in Europa bis ins 20. Jahrhundert

Durch den Einzug Napoleons kam das Fallbeil auch in Teilen Deutschlands zum Einsatz. 1803 wurde z.B. der bekannte Räuber „Schinderhannes“ in Mainz enthauptet, 1925 der 24-fache Massenmörder Fritz Haarmann. Vor allem aber in der Zeit des Nationalsozialismus wurden etwa 30.000 Menschen guillotiniert. In Berlin-Plötzensee im Jahre 1943 sogar 186 Menschen in einer einzigen Nacht. 1949 wurde der letzte zum Tode Verurteilte des westlichen Deutschland mit der Guillotine hingerichtet. Kurz darauf wurde die Todesstrafe abgeschafft. Im Osten Deutschlands gab es die Fallbeil-Hinrichtungen bis zum Jahre 1968, danach wurden die Tötungen mit der Pistole durchgeführt. Die Todesstrafe in Frankreich wurde durch das „Nationale Rasiermesser“ bis zum Jahre 1939 öffentlich, bis 1977 ohne Publikum vollzogen. Erst im Jahre 1981 wurde die Todesstrafe endgültig abgeschafft.

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