Fremdwährungsdarlehen – Eine ganz normale Finanzierungsvariante ?

Vielen Finanzierungssuchenden wird bei Ihrer Baufinanzierung oder Umschuldung das sogenannte Fremdwährungsdarlehen als ganz normale Finanzierungsvariante angeboten, die einfach nur deutlich günstiger ist, als z.B. das herkömmliche Annuitätendarlehen.

Auf so manchen Internetseiten liest man „Baufinanzierung zu 1,8%“.

Man könnte meinen, man wäre schön blöd, wenn man hier nicht zuschlagen würde, da die Konditionen doch sehr viel niedriger sind, als hierzulande.

Tatsache ist jedoch, dass das Fremdwährungsdarlehen keineswegs ein ganz normales und schon gar kein risikoloses oder gut kalkulierbares Finanzierungsinstrument ist, sondern nur etwas für am Geldmarkt sehr erfahrene und risikobereite Kunden.

Und so funktioniert das Fremdwährungsdarlehen.

Der Kreditnehmer nimmt sein Immobiliendarlehen in einer fremden Währung, z.B. Schweizer Franken oder japanischen Yen auf. Ausgezahlt wird dieses Darlehen in Euro.

Alle Zins- und Tilgungsraten werden wieder in der jeweiligen Fremdwährung gezahlt, z.B. monatlich oder vierteljährlich zum jeweils aktuellen Kurs abgerechnet und dem Darlehensnehmer in Euro auf seinem Konto belastet.

Der Vorteil scheint zunächst einfach: in Japan oder der Schweiz liegen die Darlehenszinsen derzeit deutlich unter dem Niveau von Deutschland. Steigt der Wert des Euro gegenüber dem Wert der Fremdwährung, muss der Darlehensnehmer zudem einen geringeren Gegenwert in Euro für das Fremdwährungsdarlehen zurückbezahlen. In den letzten Jahren konnten sich Kunden bisher somit über Kursgewinne freuen.
Was so überaus positiv verlaufen kann, kann allerdings auch genau in die andere Richtung gehen und in der totalen Katastrophe enden.
So stieg der Wert des Yen zwischen Oktober 1998 bis Oktober 2000 um rund 80 %. D.h. im Klartext: Wer vorher ein Darlehen über 100.000,- Euro aufgenommen hatte, das im Oktober 2000 fällig war, musste 180.000,- Euro zurückbezahlen.
Ganz so extrem sind die Schwankungen beim Schweizer Franken zwar nicht, aber auch hier sind Kursschwankungen von bis zu 5% pro Jahr normal.

Zusätzliche Risiken:

Fremdwährungsdarlehen sind i.d.R. variable Darlehen oder mit einer nur kurzen Zinsbindung versehen, also können die Zinsen jederzeit steigen.
Oft, oder fast immer, werden Fremdwährungsdarlehen in Verbindung mit der Tilgung über Aktienfonds und/oder fondsgebunden Lebensversicherungen angeboten. Hier kommt zum Zins- und Währungsrisiko noch das Kursrisiko der Fonds hinzu.

In den meisten Kreditverträgen finden sich sogenannte Schwellenklauseln. Steigt der Kurs der Fremdwährung kann die finanzierende Bank Zusatzsicherheiten verlangen. Ist das nicht möglich, drohen die Kreditkündigung und mindestens die Umwandlung in ein Euro-Darlehen zu den dann am Markt gültigen Konditionen.

FAZIT:

Bei einem Fremdwährungsdarlehen handelt es sich im Grunde um die Wette auf zumindest gleichbleibende Zinsen und Wechselkurse.

Wer dieses Risiko bei seiner Baufinanzierung eingehen will und die Zeit und Erfahrung hat, sein Darlehen ständig im Auge zu behalten, hat tatsächlich die Chance stattliche Gewinne zu machen. Er kann aber andererseits auch fürchterlichen Schiffbruch erleiden.

Erschwerend kommt noch hinzu, dass die Bonitätsanforderungen an den Kunden enorm hoch sind, so dass diese Variante der Finanzierung dem “normalen Häuslebauer” ohnehin meist verschlossen bleibt.

Es gibt jedoch Vermittler, die diese Variante auch Kunden anbieten, die diesen hohen Anforderungen nicht genügen. Hier geht es aber nicht um die Vermittlung des Darlehens, sondern um die Honorarvereinbarung. Hier wird das Honorar fällig, auch wenn im nachhinein gar kein Darlehen vermittelt wurde. Also Vorsicht bei Anbietern, die diese Finanzierungsvariante allzu leichtfertig und vor allem jedem anbieten.

Abschließend bleibt noch zu sagen. Rechnet man die Gebühren z.B. Switchgebühren in die Fremdwährung und zurück und die Vermittlungskosten des Darlehens in den Effektivzins des Fremdwährungsdarlehens hinein, ist diese Variante schon nicht mehr so günstig wie Anfangs gedacht.

Es stellt sich die Frage, ob sich das Risiko dann noch lohnt.

Abschließend sollte sich jeder, der diese Variante ins Auge gefasst auch einmal die Frage stellen:
Warum sind die Zinsen in diesen Ländern günstiger als bei uns. Handelt es sich hier vielleicht um besonders wohltätige Länder, die einfach nur günstig Geld zu verschenken haben ?

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