Die Entwicklung der Kunst der Jonglage

Ein Jongleur ist heute auf fast jedem Stadtfest, bei zahlreichen Firmenveranstaltungen und auch an ganz gewöhnlichen Tagen in den Fußgängerzonen der großen deutschen Städte anzutreffen. Unter Jonglage versteht man in erster Linie das kunstvolle Fangen und Werfen mehrerer Gegenstände gleichzeitig, so dass in jedem Moment mindestens einer der Gegenstände durch die Luft wirbelt. Traditionell übliche Gegenstände, mit denen ein Jongleur seine Kunst präsentiert, sind z.B. Bälle, Ringe, Keulen, Zigarrenkisten, Fackeln und einige weitere Requisiten. Jongleure arbeiten heute bei Straßenshows sogar mit laufenden Kettensägen. Woher stammt die Kunst des Jonglierens?
Die Ursprünge der Jonglage sind nicht genau überliefert. Aber bereits im China des Altertums soll die Jonglierkunst bereits sehr weit verbreitet gewesen sein. Eine kleine Statue aus dem alten Griechenland, die nachweislich etwa 2200 Jahre alt sein soll, zeigt einen Jongleur. Es ist auch geschichtlich überliefert, dass im 13. Jahrhundert der ägyptische Pharao Amenophis zu bestimmten Anlässen zumeist leicht bekleidete Tänzerinnen, aber auch Akrobatinnen, Zauberer und Ballkünstler auftreten ließ.

Zu allen Zeiten soll es schon bei fast allen Völkern der Erde die unterschiedlichsten Varianten der Unterhaltung mit Jonglage, Clownerie, Tanz und Akrobatik gegeben haben. Im deutschen Mittelalter werden Jongleure gemeinsam mit fahrenden Gauklern und Musikanten unterwegs gewesen sein. Es gab noch keine feststehenden Theaterhäuser. Und der Begriff “Varieté” war noch lange nicht erfunden! Jongleure hatten daher einen sehr niedrigen Status in der mittelalterlichen Gesellschaft. Sie standen auf einer Stufe mit Bettlern, Gaunern und Dirnen. Wahrscheinlich ist sogar, dass Jongleure das Volk zur Ablenkung auf den Märkten unterhielten, damit die Diebe aus ihrer Gemeinschaft unauffälliger ihrem Handwerk nachgehen konnten. Zumindest waren Jongleure durch ihre Nähe zum übrigen Wandervolk nicht besonders hoch angesehen.

Die europäische Geschichte der Jonglage ist eng verbunden mit der des Varietés. Leider finden sich gerade über das Varieté sehr wenige historische Aufzeichnungen. In Deutschland gründete man erst im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts erste Varieté-Häuser. Durch die Kleinstaaterei und die Herrschaft einer Vielzahl von Fürsten wurde die Entwicklung des großen Varietés eher gebremst als gefördert. Erst um 1880 begann die Blütezeit das Varietés. Hier fanden gerade auch Jongleure eine Heimat!

In vielen großen Städten entstanden Prunkbauten mit goldenem Stuck, riesigen Marmorsäulen und edlen, schweren Vorhängen. In etwa um 1930 existierten in 119 deutschen Städten ca. 300 Varieté-Häuser. Darunter gab es bereits spezialisierte Häuser, die als Kabarett-Varietés oder Kino-Varietés großartigen Zulauf von Seiten eines interessierten Publikums hatten. Gleichzeitig waren auch die großen Zirkus-Unternehmen erfolgreich. Hier gab es ebenso zahlreiche Möglichkeiten für Jongleure, ihre Kunst einer großen Anzahl von Zuschauern zu präsentieren.

In Deutschland gibt es heute zahlreiche Jongleure, die als freiberufliche Künstler ihre Kunst anbieten. Ein professioneller Jongleur wird bei Firmenevents, Galas, Messen, Empfängen und für die in den letzten 10 Jahren wieder häufiger gewordenen Varietés gebucht. Mittlerweile leben auch Profi-Jongleure aus Russland und den anderen ehemaligen Ostblockstaaten in den westlichen Ländern Europas. Diese Jongleure haben in der Regel eine staatliche Artistenschule besucht und zeigen Jonglierkünste auf sehr hohem Niveau. In den modernen Zirkus-Unternehmen wie z.B. Flic Flac oder dem Cirque de Soleil können wie heute Jongleure erleben, deren Kreativität scheinbar keine Grenzen gesetzt sind. Längst befördern diese Artisten bei ihren Darbietungen auch selbstkonstruierte Requisiten durch die Luft, inszenieren ihre Jonglage mit einer Präzision, die sich an das Unmögliche herantastet und choreographieren die Darbietung mit einer unglaublichen Eleganz zur eingespielten Musik, sodass der Zuschauer für Minuten in völliger Faszination in eine faszinierend fremde Welt einzutauchen vermag.

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