Cleveland Cavaliers – Chronologie eines Wunders

Das scheinbar Unmögliche ist geschafft. Zum ersten Mal in der mittlerweile 37-jährigen Geschichte der Franchise, stehen die Cleveland Cavaliers im Finale der NBA.
Nach einer durchwachsenen Saison mit, wie in der Vorsaison, 50 Siegen und 32 Niederlagen durch einen Ausrutscher der Chicago Bulls am letzten Spieltag doch noch auf Platz Zwei gelandet, starteten die Cavaliers gegen arg dezimierte Washington Wizards in die Playoffs.
Die Hauptstädter, die ohne zwei ihrer drei Topstars, namentlich Gilbert Arenas, seines Zeichens Franchise-Player und bester Scorer der Mannschaft, und Caron Butler, dieses Jahr immerhin All-Star, auskommen mussten, stellten dann wie erwartet kein großes Hindernis dar und trotz schwacher Leistungen reichte es zu einem glatten 4:0-Sieg in der Best-of-Seven Serie – einem sogenannten Sweep.
Bereits hier wurden Stimmen laut, die der Meinung waren, mit den beiden Verletzten wäre Cleveland schon an der ersten Hürde gescheitert. Man redete die Erfolge klein so gut es nur ging und nicht wenige prophezeiten bereits in Runde Zwei, diesmal gegen die New Jersey Nets um Point Guard Jason Kidd, das Aus.
Zwar stellten die Nets die von Lebron James angeführten Cavaliers vor etwas größere Probleme, und auch hier fielen die wegen ihrer Vereinsfarben “wine and gold“ genannten Mannen aus Ohio keineswegs aufgrund ihres brillanten Basketballs auf – aber sie spielten effektiv, verteidigten leidenschaftlich, spielten ihre Größenvorteile unter dem Korb aus, setzen sich schließlich mit 4:2 durch und zogen in die Conference Finals ein.
Dort wartete mit den Detroit Pistons die wohl am besten eingespielte und auch stärkste Franchise des Ostens, seit fünf Jahren Dauergast in den ostinternen Finalspielen.
Spätestens jetzt sagten Kritiker das endgültige Ausscheiden voraus, die Pistons seien reifer, besser aufeinander eingestimmt, individuell stärker und hätten außerdem einen besseren Trainer auf der Bank. Cleveland sei nur dank des leichten Programms in die Conference Finals vorgedrungen und nun würde sich schon zeigen wer dominierende Kraft im Osten ist.
Kurz gesagt: weit gefehlt.
Konnten die Pistons die ersten beiden Heimspiele im Palace of Auburn Hills noch knapp für sich entscheiden – in beiden Partien hatten die Cavaliers, einmal in Person von Donyell Marshall mit einem weit offenen Dreier und einmal durch Larry Hughes mit einem Sprungwurf aus der Mitteldistanz, nämlich die Chance, die Partie mit dem letzten Wurf noch zu ihren Gunsten zu entscheiden – schafften die Underdogs in der Folge das scheinbar Unmögliche und gewannen die folgenden vier Begegnungen allesamt.
Besonders erwähnenswert ist hierbei Spiel Fünf, als Lebron James eine der beeindruckensten Individualleistungen der letzten Jahre aufs Parkett zauberte und nicht nur 48 Punkte, neun Rebounds und sieben Assists verbuchen konnte, sondern in beiden Verlängerungen alle und insgesamt 29 der letzten 31 Punkte seiner Mannschaft erzielte – Gamewinner eingeschlossen.
Im letzten Spiel blühte dann ein anderer auf. Rookie Daniel Gibson markierte mit 31 Zählern in 29 Minuten einen neuen Karrierebestwert und schoss Cleveland beinahe im Alleingang in die NBA-Finals.
Dort wartet mit den San Antonio Spurs nun ein finalerfahrener und enorm ausgeglichen besetzter Gegner auf die junge Truppe. Auch diesmal scheint die Übermacht mit Tim Duncan als Dreh- und Angelpunkt unter dem Korb, dem pfeilschnellen Franzosen Tony Parker, Manu Ginobili oder Ausnahmeverteidiger Bruce Bowen zu groß.
Wieder einmal wird die breite Masse Cleveland schon vor dem ersten Spiel abgeschrieben haben – und wieder einmal werden die Cavaliers alles geben, um allen Zweiflern zum Trotz doch den lang gehegten Traum wahr zu machen: den Traum vom Titel.

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