Karma Kapitalismus – der gute Kapitalismus?
Die Wirtschaftswissenschaften befassen sich mit nichts anderem als der Ergründung von Kausalzusammenhängen, um Erfolgsfaktoren zu identifizieren und analysieren. Organisationsberatungen nutzen ihre Expertise, um Beratungsprogramme zu designen und anschließend teuer zu verkaufen. Es sind Trends und Moden, deren englischen oder gar japanischen Schlagworte es zu großer Aufmerksamkeit gebracht haben: Corporate Culture, Kanban, Kaizen, Soft Management, Lean Management, Change Management, Customer Relation Management, Benchmarking und derzeit ganz groß: Corporate Social Responsibility (CSR) – die Liste ließe sich unendlich fortsetzen!
Moden kommen und gehen. Die Frage aber bleibt: Gibt es Regeln, sozusagen allgemeingültigen Prämissen, die über Erfolg und Misserfolg bestimmen und über all diesen verschiedenen Beratungsansätzen stehen?
Interessanterweise gibt es auf diese Frage Antworten aus einer Richtung, aus der wir sie möglicherweise am wenigsten erwartetet hätten: Aus dem Buddhismus! Buddhismus und Business – wie passt das zusammen?
In den letzten Jahren sind einige Bücher erschienen, die buddhistische Prinzipien auch auf die Wirtschaftswelt anwenden und dabei das westliche Grundverständnis einer in Subjekt und Objekt geteilten Welt als unzutreffend bezeichnen. Mit Widerlegung dieser Grundannahme sind aber auch alle darauf aufbauenden Theorien in ihrer Übertragbarkeit auf den Alltag in ihrer Wirksamkeit eingeschränkt.
Roach ist in der tibetischen Gelugpa-Tradition (deren Oberhaupt der Dalai Lama ist) ausgebildet und hat sein Wissen über 15 Jahre in einem New Yorker Diamantenunternehmen angewendet. In dieser Zeit entwickelte sich das Unternehmen rasant bis zu einem Jahresumsatz von 250 Mio. Dollar. Roach definiert Erfolg aber explizit nicht ausschließlich als wirtschaftliches Wachstum, sondern er schließt Wohlbefinden, Liebe und Gesundheit für sich selbst, seine Mitarbeiter, Kollegen und Geschäftspartner mit ein. Corporate Social Responsibility ist dann kein Feigenblatt mehr, das sich große multinationale Unternehmen aus kosmetischen Marketinggründen zulegen; ethisches Verhalten ist vielmehr DIE Grundvoraussetzung für anhaltenden wirtschaftlichen Erfolg.
In dem Buch erläutert er die buddhistische Grundlagen „Leerheit“ und „Karma“ auf nachvollziehbare Art und Weise, dass selbst Laien und Nichtbuddhisten diese verstehen können. Ziel ist nicht, Menschen zu Buddhisten zu machen, sondern eine Weltsicht zu vermitteln, die uneingeschränkt wirksam und zum Wohle aller beiträgt – und explizit nicht nur dem Management dient. Dies ist eines der großen Gelübde des Buddhismus. Wenn es gelingt, diese Weltsicht mit den entsprechend positiven Erfahrungen eines erfüllten aber auch erfolgreichen Lebens zu verbinden, dann ist dies durchaus ein sehr wertvoller Beitrag.
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