Karma Kapitalismus – der gute Kapitalismus?

Was macht ein Unternehmen erfolgreich? Braucht es bestimmte Tugenden wie Fleiß und Geschick, gepaart mit einer guten Portion Glück und Zufall? Wird nur der Tüchtige belohnt oder der Kapitalhabende? Muss man „knallhart“ managen können oder eher kooperativ mit allen Beteiligten umgehen?

Die Wirtschaftswissenschaften befassen sich mit nichts anderem als der Ergründung von Kausalzusammenhängen, um Erfolgsfaktoren zu identifizieren und analysieren. Organisationsberatungen nutzen ihre Expertise, um Beratungsprogramme zu designen und anschließend teuer zu verkaufen. Es sind Trends und Moden, deren englischen oder gar japanischen Schlagworte es zu großer Aufmerksamkeit gebracht haben: Corporate Culture, Kanban, Kaizen, Soft Management, Lean Management, Change Management, Customer Relation Management, Benchmarking und derzeit ganz groß: Corporate Social Responsibility (CSR) – die Liste ließe sich unendlich fortsetzen!

Moden kommen und gehen. Die Frage aber bleibt: Gibt es Regeln, sozusagen allgemeingültigen Prämissen, die über Erfolg und Misserfolg bestimmen und über all diesen verschiedenen Beratungsansätzen stehen?

Interessanterweise gibt es auf diese Frage Antworten aus einer Richtung, aus der wir sie möglicherweise am wenigsten erwartetet hätten: Aus dem Buddhismus! Buddhismus und Business – wie passt das zusammen?

In den letzten Jahren sind einige Bücher erschienen, die buddhistische Prinzipien auch auf die Wirtschaftswelt anwenden und dabei das westliche Grundverständnis einer in Subjekt und Objekt geteilten Welt als unzutreffend bezeichnen. Mit Widerlegung dieser Grundannahme sind aber auch alle darauf aufbauenden Theorien in ihrer Übertragbarkeit auf den Alltag in ihrer Wirksamkeit eingeschränkt.

Auch unter den verschiedenen Büchern, die buddhistisch inspiriert und auf den Wirtschaftkontext bezogen sind (die meisten in den USA erschienen), sind zwar die meisten eine schöne Lektüre, aber in ihren Inhalten dann doch eher unkonkret. Buddhistische Grundprinzipien werden selten klar vermittelt und die umfassende und tiefgründige Ethik des Buddhismus ist eher verblasst. Eine deutliche Ausnahme ist das Buch „Die Weisheit des Diamanten“ (dtv; engl.: „Diamond Cutter“) von Geshe Michael Roach. Dieses Buch erschien im Jahr 2000 und ist mittlerweile in mehrere Sprachen übersetzt und in einer Auflage von ca. 100.000 Exemplaren verlegt worden.

Roach ist in der tibetischen Gelugpa-Tradition (deren Oberhaupt der Dalai Lama ist) ausgebildet und hat sein Wissen über 15 Jahre in einem New Yorker Diamantenunternehmen angewendet. In dieser Zeit entwickelte sich das Unternehmen rasant bis zu einem Jahresumsatz von 250 Mio. Dollar. Roach definiert Erfolg aber explizit nicht ausschließlich als wirtschaftliches Wachstum, sondern er schließt Wohlbefinden, Liebe und Gesundheit für sich selbst, seine Mitarbeiter, Kollegen und Geschäftspartner mit ein. Corporate Social Responsibility ist dann kein Feigenblatt mehr, das sich große multinationale Unternehmen aus kosmetischen Marketinggründen zulegen; ethisches Verhalten ist vielmehr DIE Grundvoraussetzung für anhaltenden wirtschaftlichen Erfolg.

In dem Buch erläutert er die buddhistische Grundlagen „Leerheit“ und „Karma“ auf nachvollziehbare Art und Weise, dass selbst Laien und Nichtbuddhisten diese verstehen können. Ziel ist nicht, Menschen zu Buddhisten zu machen, sondern eine Weltsicht zu vermitteln, die uneingeschränkt wirksam und zum Wohle aller beiträgt – und explizit nicht nur dem Management dient. Dies ist eines der großen Gelübde des Buddhismus. Wenn es gelingt, diese Weltsicht mit den entsprechend positiven Erfahrungen eines erfüllten aber auch erfolgreichen Lebens zu verbinden, dann ist dies durchaus ein sehr wertvoller Beitrag.

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