Biologischer Pflanzenschutz und umweltverträgliche Schädlingsbekämpfung
Die Bekämpfung von Unkraut, tierischen Schädlingen und Pilzerkrankungen stellt jeden Gartenliebhaber vor die Entscheidung, wie umweltverträglich er dabei vorgehen möchte. Biologische Präparate und Maßnahmen wirken eher präventiv und langfristig, während chemische Mittel einen schnellen Behandlungserfolg herbeiführen. Aber nicht immer sind Umweltverträglichkeit und Wirksamkeit Gegenpole. Gewusst wie, führt die Verwendung biologischer Mittel dazu, dass die Chemiespritze viel seltener zum Einsatz kommen muss.
Schneckenprofi hat für die drei wichtigsten Problemfelder Möglichkeiten und Grenzen des naturnahen Pflanzenschutzes zusammengestellt.
1. Unkraut- und Moosvernichtung
Sehr viele Unkräuter wie Löwenzahn, Klee, Disteln, Rasenmoose usw. lassen sich mit Fettsäuren wie Essig- oder Pelargonsäure gut bekämpfen. Voraussetzung ist, dass die die Wirkstoffe bereits zu Beginn der Wachstumsperiode aufgebracht werden und dass die Behandlung einige Male wiederholt wird. Zwar wirken diese natürlichen Säuren nicht wurzeltief (der Fachmann nennt das “systemisch”), zeitigen aber dennoch bei konsequenter Anwendung gute Erfolge. Beim Kauf auf die Wirkstoffe Essigsäure oder Pelargonsäure achten!
Bei Wurzelausläufer bildenden Pflanzen wie Giersch oder Quecke kommt man ohne einen systemischen Wirkstoff kaum aus. In der Regel wird für die wurzeltiefe Bekämpfung Glyphosat verwendet. Mitunter – zum Beispiel bei unerwünschten Bambussprösslingen – muss der Wirkstoff Stängel für Stängel mit einer Spritze wiederholt injiziert werden. Glyphosathaltige Unkrautvernichter sind nur bis zu einer bestimmten Wirkstoffkonzentration und Packungsgröße für den Haus- und Kleingarten zugelassen. Achtung: Wer sich über das Pflanzenschutzgesetz hinwegsetzt, dem drohen Geldstrafen bis zu 50.000 Euro.
2. Bekämpfung von Schadinsekten
Saugende und beißende Insekten setzen Obst, Gemüse und Zierpflanzen häufig dermaßen zu, dass die Pflanzen einzugehen drohen. Wer biologisch gegen Blattläuse, Spinnmilben, Weiße Fliege, Zikaden, Dickmaulrüssler usw. vorgehen möchte, hat viele Möglichkeiten, muss aber bereits bei den ersten Anzeichen eines Befalls beginnen. Haben sich die Schädlinge schon massiv ausgebreitet, können naturnahe Mittel oft nichts mehr ausrichten.
Zur ersten Spritzung im Freiland und für Zimmerpflanzen bewähren sich Raps- oder Paraffinöl-haltige Mittel, die Schädlingslarven ersticken und zum Teil sogar deren Eier zerstören. Auch Spritzmittel, die aus dem Neembaum gewonnen werden, schaffen Abhilfe. Der darin enthaltene natürliche Wirkstoff heißt Azadirachtin.
Immer mehr Gartenliebhaber setzen lebende Nützlinge als Gegenspieler von Schadinsekten ein. Florfliegenlarven, Raubmilben und Schlupfwespen gelten als die Allrounder unter Glas. Mit ihnen bekommt der Gartenliebhaber Blatt- und Schildläuse, Spinnmilben, Thripse und Weiße Fliegen gut in den Griff. Im Freiland hingegen kommen häufiger Nematoden gegen Wurzelschädlinge wie Trauermücken- oder Dickmaulrüsslerlarven zum Einsatz. Viele Nützlinge sind monophag. Das heißt, sie fressen oder parasitieren nur ganz bestimmte Schädlinge. Vor dem Kauf also sorgfältig informieren!
Sogenannte Pflanzenstärkungsmittel leisten Hilfe zur Selbsthilfe, indem sie die pflanzeneigenen Abwehrkräfte gegen Schädlinge stärken. Die Wirkstoffe sind häufig ätherische Öle, Kieselsäuren, Bitter- und Gerbstoffe sowie Vitamine und Mineralien. Gewonnen werden die Wirkstoffe überwiegend aus Heil- und Arzneipflanzen wie Knoblauch, Salbei, Quassia, Beinwell, Brennesseln usw. Pflanzenstärkungsmittel wirken rein vorbeugend und müssen deshalb regelmäßig verabreicht werden.
Nehmen trotz aller Präventivmaßnahmen die Schädlinge überhand, können Insektizide gezielt und sparsam eingesetzt werden. Hierbei ist eine Kombination aus Kontaktgiften und systemischen Wirkstoffen sinnvoll. Letztere werden von der befallenen Pflanze in das Gewebe aufgenommen und gelangen von dort durch das Saugen der Schädlinge in den Schädlingsorganismus.
Die häufigsten systemischen Wirkstoffe sind Imidacloprid und Thiamethoxam und ganz neu: Spirodiclofen. Die häufigsten Kontaktwirkstoffe sind Naturpyrethrum sowie synthetische Pyrethroide. Dimethoat ist wirkt quasi-systemisch und als Kontaktinsektizid. er neue Wirkstoff Thiacloprid verbindet Kontakt- mit systemischer Wirkung.
3. Verhinderung und Heilung von Pilzerkrankungen
Ebenso wie bei der Bekämpfung von Schadinsekten gilt auch bei der Behandlung von Pilzerkrankungen: Naturnah funktioniert es nur vorbeugend und bei konsequenter Anwendung. Haben sich die Pilze erst ausgebreitet, muss ein Fungizid zu Hilfe genommen werden.
Natürliche Wirkstoffe gegen Pilzerreger sind Lecithin aus der Soja-Pflanze, Braunalgenextrakte wie Ascophyllum nodosum, außerdem Laminaria-Arten und pflanzliche Aminosäuren. Etliche Heilkräuter enthalten auch pilzhemmende Wirkstoffe und können für Spritzungen mit den entsprechenden Brühen verwendet werden. Dazu gehören zum Beispiel Ackerschachtelhalm, Efeu, Meerettich sowie Schwarzer Holunder.
Für die Behandlung befallener Pflanzen sind eine ganze Reihe von Wirkstoffen zugelassen. Da die Pilzerreger Resistenzen gegen häufig benutzte Wirkstoffe aufbauen können, ist es ratsam, von Zeit und Zeit die Wirkstoffgruppe zu wechseln. Gängige Fungizidwirkstoffe sind Mancozeb, Fludioxonil, Cyprodinil, Azoxystrobin, Metiram, Myclobutanil, Triticonazol, Tebuconazole, Fenarimol, Fenhexamid sowie Tolyfluanid. Klassiker gegen Pilzerkrankungen an Zier- und Nutzpflanzen sind kupfer- oder schwefelhaltige Spritzmittel.
Weiterführende Informationen und eine individuelle Pflanzenschutz-Beratung gibt es bei http://www.schneckenprofi.de
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