Regulator wird Atomuhr

Eine Schönheit war der Regulator, den meine Frau von ihrem Großvater geerbt hatte, als dieser mit 92 Jahren starb, nicht mehr, denn er hatte seit 1923 in der Küche gestanden und dementsprechend gelitten. Kurz nach der Übernahme brach außerdem die Uhrwerkfeder, ein Ersatz, der in etwa hineingepaßt hätte, war nicht aufzutreiben. Ich habe das komplette mechanische Werk dann ausgebaut (inklusive des schrecklichen “Big- Ben- Simulators), der, total verstimmt, mir alle Viertelstunden die Gänsehaut über den Rücken jagte.

Diese mechanischen Teile habe ich dann sicherheitshalber gleich entsorgt, damit meine Gattin nicht mehr auf die Idee kommen konnte, daß man ja das “schöne Schlagwerk” wiederbeleben könne. Mit einem Quarzwerk um ein paar Euro im Bauch tat er dann bis vor Kurzem seinen Dienst in einer unauffälligeren Ecke unseres Wohnzimmers, bis ich im Zuge einer Bestellung von Elektronikteilen ein Funk- synchronisiertes Quarzwerk mitschicken ließ.

Nachdem die Hülle in einem sehr bemitleidenswerten Zustand war, wurde alles abgenommen, der alte Klarlack und die 50 Jahre Küchendünste weggeschliffen bis aufs Furnier, dann ließ ich meine Frau bestimmen, welche Farbe er in Zukunft haben sollte (es kam eh nur die in Frage, die ich als Lasurlack bereits hatte und endlich mal aufbrauchen wollte, aber das mußte sie ja nicht wissen: nämlich Mahagoni). Vorher mußte ich aber, da das neue Werk nur eine Wandstärke von 3 mm zuließ, hinter dem Zifferblatt das 10mm starke Sperrholz auf 3 mm abnehmen. Diese Arbeit war etwas aufreibend, weil ein Durchbruch zum entgültigen Aus geführt hätte, mit allen Folgen, die ich mir gar nicht so genau ausmalen wollte.

(Bilder auf meiner Homepage Button “Technik”). Um mit dem größten meiner sehr gut geschliffenen Stechbeitel vernünftig arbeiten zu können, habe ich die Rückwand soweit ausgesägt, das ich ohne Behinderung arbeiten konnte.

Die Messingteile waren alle sehr stark patiniert und mußten sämtlich fein abgezogen und anschließend poliert werden .

Der Einbau des Funk- Uhrwerks war dann recht einfach, ich empfehle, vorher am genauen Standort der Uhr auch zu TESTEN, ob das Werk an der Stelle synchronisieren kann, d.h. das Funksignal auch störungsfrei empfangen werden kann. Das dauert maximal 10 Minuten und man muß anschließend nicht irgendwelche Klimmzüge machen, weil ausgerechnet da, wo das gute Stück stehen soll, ein Funkloch ist.

Im Interesse einer langen Laufzeit habe ich, da ja kein Platzmangel herrscht, die Stromversorgung einer dicken Monozelle überlassen, die bestimmt einige Monde länger hält als eine AA- Batterie.

Seit dem Umbau steht sie jetzt mittig im Bücherregal und kann bis zum Batterietausch ohne leidige Stundenumstellerei als genaueste Zeitreferenz in unserer Wohnung still vor sich hin glänzen.

Illustration auf der TECHNIK- Seite meiner Homepage. Viel Spaß mit wartungsfreien, selbstumstellenden Funkuhren.

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