Urteilsfindung bei Klassik CDs

Sehr häufig steht vor der Kaufentscheidung für eine Klassik CD das ausgiebige Lesen von Rezensionen in Fachzeitschriften oder auf einschlägigen Internetportalen. Für den Abverkauf von CDs sind diese Rezensionen, die bereits im Vorfeld veröffentlicht werden, von enormer Wichtigkeit, denn vom Urteil der kompetenten Kritiker hängt so manche Kaufentscheidung letztendlich ab. Hat man die Scheibe dann im eigenen CD-Spieler ist so manches mal festzustellen, daß das eigene Urteil von dem des Kritikers abweicht. Das gleiche gilt natürlich auch nach einem Konzertbesuch und der meist einen Tag darauf erscheinenden Kritik in der lokalen Presse. Der mündige Klassikliebhaber unterwirft sich dem Urteil der Fachpresse jedoch viel zu häufig und unreflektiert. Man schaut ehrfurchtsvoll zu dem Kritiker auf, und wünscht sich insgeheim, daß man selbst auch die Fähigkeiten dieses Schreibgottes hätte. Dabei ist es gar nicht so schwierig, ein aussagekräftiges Urteil aufgrund einer Mischung aus objektiven und subjektiven Kriterien zu fällen. Hierzu bedarf es im Wesentlichen lediglich einer Punkteskala, den Bewertungskriterien und deren Gewichtung. Kriterien können zum Beispiel die Klangqualität, die Interpretation, das Zusammenspiel des Orchesters oder die Werktreue der Einspielung sein.
Auf einer Punkteskala von 1-10 kann so die Einspielung bewertet werden, und multipliziert mit der Gewichtung der einzelnen Kriterien ergibt sich am Ende der Bewertung ein Punktestand, ein sogenannter Score. Mit einem solchen einheitlichen und standardisierten Bewertungssystem werden unterschiedliche Einspielungen von Werken vergleichbar gemacht. Das Klassikforum Anton Bruckner testet ein solches Bewertungssystem (LIRAS=Linzer Ranking Standard) in einem Feldversuch mit einer Einspielung der zweiten Sinfonie von Anton Bruckner (1824-1896) in der Einspielung von Daniel Barenboim mit den Berliner Philharmonikern.

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