Antiquitäten im Licht der Entwicklung des Holzhandwerks

Als im späten Mittelalter das Zunftwesen entstand, hatten Holzhandwerker schon angefangen, besondere Fertigkeiten zu entwickeln. Böttcher, Bogner, Tischler und Zimmerleute waren während der Weiterentwicklung der Handwerke bei der allgemeinen Tendenz zur Spezialisierung vorangegangen. Um die Mitte des 18. Jahrhunderts wurden schon sogar Tätigkeiten wie z. B. Tischlern, Drechseln, Schnitzen, Furnieren und Polstern der so wertvollen Antiquitäten von heute von verschiedenen Handwerkern ausgeführt.

Ausschlaggebend für diese Spezialisierung in der Geschichte der Möbelherstellung war die erhöhte Nachfrage nach Hausmöbeln sowie der Wunsch, dass diese nicht mehr nur zweckmäßig, sondern auch dekorativ sein sollten.

Im späten 15. Jahrhundert war der wichtigste Teil des Hausrats die Truhe, die zur Aufbewahrung von Kleidung und Wertgegenständen diente. Um diese Zeit entwickelte sich ein neues Konstruktionsverfahren, das der alten Methode, bei der die Bretter lediglich zusammengenagelt wurden, weit überlegen war. Bis dahin war die Truhe eine Gemeinschaftsarbeit des Zimmermanns und des Schmieds, der die Scharniere und Eckverbände anfertigte. Die neue Truhe hatte eine Rahmen-Füllung-Konstruktion – sie besaß ein tragendes Rahmenwerk, in das Füllbretter mit Nutzapfen und Keilen eingepasst wurden. Das spezialisierte Schreinerhandwerk, mit Säge, Hobel und Beitel arbeitend, war entstanden. Aufbauend auf dieser Technik entstanden dann Anfang des 16. Jahrhunderts, von Italien ausgehend, die Kabinettschränke, die mit Schubladen und abschließbaren Türen versehen wurden.

Diese Kabinettschränke entwickelten sich bald zu kleinen, heute als Antiquitäten sehr geschätzten Kunstwerken, die nicht mehr lediglich zur Aufbewahrung von Wertgegenständen dienten. Aufgrund des massenhaften Holzeinschlages wurden auf mit verdeckten Zinken zusammengehaltene Möbelkörper aus minderwertigem, jedoch stabilem Kernholz, zunehmend edle Furniere aufgetragen. Schon 77 n. Chr. übrigens hatte der Römer Plinius das Furnieren als eine Möglichkeit, mit wertvollem Holz sparsam und wirtschaftlich umzugehen, empfohlen.

Das Verlangen sowohl der Holzhandwerker als auch der Auftraggeber nach immer kunstvollerer Ausführung wurde erfüllt durch feinste Einlegearbeiten wie Intarsien, wobei mit dem Beitel erzeugte Vertiefungen im Kernholz mit verschiedenfarbigen, entsprechend zugeschnittenen Holzstückchen aufgefüllt wurden. Mit dieser Methode waren erstaunliche, dreidimensionale Täuschungseffekte zu erzielen.

In den antiken Möbeln von heute spiegeln sich Entwicklung und Innovationen des Holzhandwerks vergangener Tage.

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