Antiquitäten im Licht der Entwicklung des Holzhandwerks
Ausschlaggebend für diese Spezialisierung in der Geschichte der Möbelherstellung war die erhöhte Nachfrage nach Hausmöbeln sowie der Wunsch, dass diese nicht mehr nur zweckmäßig, sondern auch dekorativ sein sollten.
Im späten 15. Jahrhundert war der wichtigste Teil des Hausrats die Truhe, die zur Aufbewahrung von Kleidung und Wertgegenständen diente. Um diese Zeit entwickelte sich ein neues Konstruktionsverfahren, das der alten Methode, bei der die Bretter lediglich zusammengenagelt wurden, weit überlegen war. Bis dahin war die Truhe eine Gemeinschaftsarbeit des Zimmermanns und des Schmieds, der die Scharniere und Eckverbände anfertigte. Die neue Truhe hatte eine Rahmen-Füllung-Konstruktion – sie besaß ein tragendes Rahmenwerk, in das Füllbretter mit Nutzapfen und Keilen eingepasst wurden. Das spezialisierte Schreinerhandwerk, mit Säge, Hobel und Beitel arbeitend, war entstanden. Aufbauend auf dieser Technik entstanden dann Anfang des 16. Jahrhunderts, von Italien ausgehend, die Kabinettschränke, die mit Schubladen und abschließbaren Türen versehen wurden.
Das Verlangen sowohl der Holzhandwerker als auch der Auftraggeber nach immer kunstvollerer Ausführung wurde erfüllt durch feinste Einlegearbeiten wie Intarsien, wobei mit dem Beitel erzeugte Vertiefungen im Kernholz mit verschiedenfarbigen, entsprechend zugeschnittenen Holzstückchen aufgefüllt wurden. Mit dieser Methode waren erstaunliche, dreidimensionale Täuschungseffekte zu erzielen.
In den antiken Möbeln von heute spiegeln sich Entwicklung und Innovationen des Holzhandwerks vergangener Tage.
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