Föhr und die Zeit der Walfänger

Der Anfang des 17. Jahrhunderts beginnende Walfang brachte den nordfriesischen Inseln ein “Goldenes Zeitalter”. Die holländischen Reeder rüsteten mit Vorliebe ihre Walfängerflotte mit nordfriesischen Seeleuten aus. Bald schon gab es komplette Besatzungen von Föhr, Sylt oder Amrum.

Die Fangfahrten ins Polarmeer konnten nur in den Sommermonaten durchgeführt werden. So verließen die seefahrenden Männer Ende Februar und Anfang März ihre Heimatorte Wyk, Oldsum, Nieblum oder Utersum und fuhren auf kleinen Schmackschiffen nach Holland. Im März 1777 z.B. verließen an einem Tage 13 Schmacken mit etwa 1000 Seefahrern an Bord die Insel Föhr. Seine erste Überfahrt nach Amsterdam, so wie die erste Fahrt nach Grönland im Jahre 1769 beschreibt der damals 12jährige Jens Jacob Eschels besonders eindrucksvoll.

In Holland wurden die Walfang-Schiffe für die Fahrt hergerichtet und gingen Anfang April in See nach Spitzbergen oder Grönland. Sobald das Schiff volle Ladung hatte, was bei günstigen Fangverhältnissen nur wenige Wochen dauerte, spätestens aber im Nachsommer, kehrten alle Schiffe wieder in die Heimathäfen zurück.

Die Besatzungen wurden entsprechend ihres Dienstgrades am Fang beteiligt. So kehrten die friesischen Seeleute in manchen Jahren reichlich belohnt auf ihre Insel zurück um im Kreise der Familie die Wintermonate zu verbringen. Doch es kam nicht selten vor, dass ein Schiff dem Eis zum Opfer fiel, und die Besatzung auf andere Schiffe verteilt ohne Fang zurückkehrte. So gab es für manche Familie einen “Hungerwinter”, in dem Sie auf die Solidarität der Dorfgemeinschaft angewiesen war.

In der Mitte des 18. Jahrhunderts lichtete sich der Bestand der Wale durch die rücksichtslose Jagd. Die Wale flüchteten Schutz suchend tiefer in das Packeis hinein. Somit stiegen die Verluste an Schiffen und die Fänge wurden kärger. Die Föhrer Seefahrer, die inzwischen einen hohen Ausbildungsstandard besaßen, wandten sich mehr und mehr der Handelsschifffahrt zu. Eine Epoche ging zu Ende.

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