Esperanto – ist es nützlich oder vielleicht sogar notwendig?
Wenn man sich heutzutage in den größeren Ballungszentren Großbritanniens ein wenig umsieht, stößt man bald einmal auf Übersetzungen von englischen Dokumenten, Straßenschildern oder Ankündigungen in Gebäuden in eine andere Sprache. Gute Beispiele dafür sind etwa Schriftstücke von Kommunalverwaltungen, in öffentlichen Gebäuden und Schulen.
Uns allen ist natürlich bewusst, dass diese Schriftstücke dazu dienen, dem gegenwärtig sehr hohen Anteil an Einwanderern in Großbritannien zu helfen. Allerdings zeigt auch nur ein kurzer Blick auf die Liste der Übersetzungen, dass diese Lösung nicht optimal ist.
Warum?
Nun ja, ein übersetztes Dokument oder Schild besteht aus verwirrend vielen verschiedenen Sprachen, von denen manche noch dazu andere Schriftsysteme verwenden. Die Aufmerksamkeit des Lesers wird ständig auf andere Elemente gelenkt, was derartige Dokumente unnötig verkompliziert – sogar für englische Muttersprachler, die nur den englischen Teil lesen. Dazu kommt noch der Verwaltungsaufwand, wenn man Übersetzungen in verschiedene Sprachen anfertigen lassen muss, etwa durch ein kompetentes, das auf alle Arten von Dokumenten spezialisiert ist. Dies ist natürlich mit einem zusätzlichen Kosten- und Zeitfaktor verbunden.
Gibt es eine Lösung für dieses Problem? Zumindest der polnische Arzt Ludwik Zamenhof war davon überzeugt, als er 1887 die Plansprache Esperanto entwarf, die seiner Ansicht nach als weltweite Zweitsprache genutzt werden könnte, um die globalen Sprachbarrieren zu überwinden.
Esperanto ist tatsächlich eine lebende Sprache und wird rund um den Globus vom Esperanto-Weltbund (UEA) gefördert, der in 113 Ländern vertreten ist. Im Rahmen der UNESCO-Konferenz in Genf wurde diese Sprache 1954 zum idealen Mittel erklärt, um das gegenseitige Verständnis und die Gemeinschaft zwischen Sprechern vieler verschiedener Sprachen zu fördern.
Esperanto hatte seine Blütezeit in den 50er bis 70er Jahren des 20. Jahrhunderts. Obwohl es heutzutage eher in den Hintergrund gerückt ist, wird es doch noch von einer halben Million bis drei Millionen Esperantisten auf der ganzen Welt aktiv gesprochen und gefördert.
Ist Esperanto also nützlich oder vielleicht sogar notwendig? Eine weltweit verwendete Zweitsprache, die Ländergrenzen verschwinden lässt, ist gewiss ein utopisches Wundermittel, um Menschen auf der ganzen Welt zu vereinen. Es klingt einleuchtend: Man könnte umgehend damit aufhören, bestimmte Fremdsprachen wie Französisch, Spanisch, Deutsch oder Italienisch zu lernen, und sich stattdessen auf Esperanto konzentrieren, um sich so überall auf der Welt verständigen zu können.
Gleichermaßen würde dies für die Geschäftswelt bedeuten, dass der Schriftwechsel auf Esperanto spezielle Übersetzungsdienstleistungen unnötig machen und dadurch dem Unternehmen Zeit und Geld sparen würde.
Warum also – wenn eine weltweit verwendete Zweitsprache doch so nützlich sein könnte – ist Esperanto heutzutage nicht weiter verbreitet? Die Gründe dafür sind vielfältig und komplex. Dazu zählen zum Beispiel geopolitische Faktoren wie etwa der weltweite Einfluss des Britischen Imperiums in der Vergangenheit und der allumfassende Einfluss der US-amerikanischen Kultur in der Gegenwart.
Wenn wir diesen Gedanken weiterführen, sehen wir, dass es in Wirklichkeit bereits eine zweite Hilfssprache gibt, die fast auf der ganzen Welt verwendet wird; eine Tatsache, die den Nutzen und die Notwendigkeit einer solchen Hilfssprache belegt – nur haben schlicht und einfach die Umstände dazu geführt, dass so viele von uns Englisch und nicht Esperanto als Zweitsprache gewählt haben.
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