Gebrochenes Herz – Wie kann man es kitten?
Gefühle der Katastrophe
An Liebeskummer Leidende sind einem immensen emotionalen Stress ausgesetzt. Männer wie Frauen leiden gleichsam, wobei den Männern u.a. aufgrund ihrer teils angeborenen Unfähigkeit, über Gefühle zu sprechen, höherer Leidensdruck nachgesagt wird als den Frauen. Das Verletzen der Gefühle aufgrund einer Trennung geht häufig mit einem Sinken des Selbstbewusstseins einher. Gleichzeitig schwinden Lebensfreude und Zuversicht. Hinzu kommen oft die Angst vor der Einsamkeit und soziale Ängste. Die Verlassenen sind nicht mehr sie selbst, vernachlässigen häufig ihre Pflichten und legen manchmal ein ihrem Umfeld völlig fremdes Verhalten an den Tag.
Empfindungen des Schmerzes
Jeder verarbeitet seinen Schmerz anders. Liebeskummer kann Menschen in etwa zu ruhelosen Geschöpfen werden lassen. Die Decke fällt ihnen auf den Kopf, gleichzeitig aber ist ihnen absolut nicht nach Gesellschaft. Meist kommen nach einer Zeit des Leidens Tage oder auch nur kurze Momente des Lichts. Man fühlt sich kurz so gut wie vor der Trennung – oder gar vor der Beziehung… Doch emotionale Einbrüche sind in der ersten Zeit des Liebeskummers leider durchaus normal.
Ratgeber zum Thema helfen den Betroffenen nicht wirklich. Kein Rat kann sie wirklich trösten, keine witzige Anmerkung so richtig aus ihrem tiefen Loch heben. Der Schmerz ist viel zu groß. Mit dem Verlust eines geliebten Menschen verliert man schließlich nicht nur die emotionale wie physische Anwesenheit seiner Person, sondern auch sein gesamtes Umfeld: Seine Verwandten, Bekannten, Freunde, die man teilweise ebenso ins Herz geschlossen hat. Die vertraute Umgebung seiner Heimat, die bei manchen die eigene zweite Heimat geworden ist, wird einem wieder fremd, eingespielte gemeinsame Rituale verschwinden mit ihm. Die so plötzlich gerissene Lücke ist groß bei Verlust eines Partners und keinesfalls aufzufüllen, wie man in seinem immensen Leid meint.
Keine unwesentliche Rolle spielt zudem der Ablauf der Trennung. Wurde er vom anderen brutal, ohne Vorwarnung und ohne Mitgefühl durchgeführt, so leiden Verlassene meistens viel länger und intensiver als solche, die mit verständnisvollen Worten und in respektvoller Weise verabschiedet wurden.
Was helfen könnte
Die Anfangsphase des Liebeskummers zeichnet sich meist durch eine gewisse Gelähmtheit ab. Man ist unfähig, sich auf irgendetwas anderes zu konzentrieren als auf sein Unglück. Um diese große Trauer zu verarbeiten, empfiehlt sich das ausführliche Sprechen über seine verletzten Gefühle, über die vergangene Beziehung, über den/die Ex. Dafür sollten am besten gleichgeschlechtliche Freunde, aber auch ein guter Freund vom anderen Geschlecht hinzugezogen werden. So kann man die differenzierten Sichtweisen beider Geschlechter zum Verhalten des Ex und des eigenen Verhaltens erfahren.
Emotionale Erleichterung verschafft zudem vielen von Liebeskummer Geplagten das Niederschreiben ihrer negativen wie auch positiven Gefühle Tag für Tag. Damit können sie auch ihre für den Liebeskummer so typischen Aufs und Abs der Emotionen und ihre jeweilige Tagesverfassung kommentieren sowie Fortschritte notieren.
Vielen hilft auch der heilende Effekt des Musikhörens. Die Wiederaufnahme eines in der Beziehung verkümmerten Steckenpferds kann ebenso kleine Wunder wirken. Ob nun Malen, Zeichnen, Dichten oder Musizieren, eine Ablenkung in künstlerischer Manier kann die Seele (fast) wieder ins Gleichgewicht bringen.
Um sein angeknackstes Selbstbewusstsein wieder ins gesunde Lot zu bringen, spricht nichts dagegen, sich ein paar Streicheleinheiten im weltweiten Netz zu holen. Neue, nette Bekanntschaften auf Singlebörsen können sogar tief enttäuschte, verbitterte Gemüter wieder aufleben lassen. Sollte man sich noch nicht für eine neue Liebe bereit fühlen, so sollte dies dem Gegenüber allerdings fairerweise von Anfang an mitgeteilt werden.
Absolut abzuraten ist davon, seinen Kummer mit Alkohol oder gar Drogen zu betäuben. Auch das sofortige Eingehen einer neuen Beziehung aus einer großen, noch nicht verarbeiteten Enttäuschung heraus, ist weder gut fürs eigene Seelenheil noch fair dem neuen Partner gegenüber.
Meistens kommt es danach besser
„Mancher hinterlässt eine Lücke, die ihn ersetzt“, sagte einst die US-Autorin Pearl S. Buck (1892-1973). Viele Verluste entpuppen sich später betrachtet tatsächlich als ein Segen. Entweder durch das Finden einer viel größeren Liebe im Anschluss oder der ernüchternden Erkenntnis, dass einen der damalige Partner wahrscheinlich einmal in den Wahnsinn, Ruin oder sonstwohin getrieben hätte. Auch wenn man es im größten Schmerz nicht glauben will, es gibt auf der Welt und wahrscheinlich sogar in der näheren Umgebung m e h r als nur einen Menschen, der zu einem passt. Und, ja, das Herz wird sich wieder vollends erholen. Die Frage ist nicht, OB man darüber hinwegkommt, sondern wann! Für Ungeduldige gibt es übrigens einen Heart-Repair-Calculator, auf dem man ausrechnen kann, wie lange der Herzschmerz so ungefähr noch dauern wird: http://healmybrokenheart.com
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