Jamaikanische Soundsystems – mehr als Raumklang
Ihren Ursprung haben die mobilen Diskotheken im Jamaika der frühen 60er Jahre. Zunächst wurden vor allem R&B-Stücke aus Amerika gespielt, später kamen immer mehr einheimischen Produktionen hinzu. Die beliebten Soundsystem-Dances boten optimale Vorraussetzungen für jamaikanische Produzenten, um ihre neuen Aufnahmen zu testen. Einige der populärsten Sound-Betreiber eröffneten später selbst Studios, wie etwa Coxsone Dodd (Studio One) oder Duke Reid (Treasure Isle).
Schon früh herrschte Rivalität zwischen den Soundsystems. Um die Gunst des Publikums auf seine Seite zu ziehen, brauchte der Betreiber vor allem exklusive Platten, die kein anderer besaß. Zunehmend wichtiger wurde die Rolle des MCs, der nicht mehr nur die Titel ankündigte, sondern eigene Beiträge ins Mikrofon „toastete“ und so dem Sound einen eigenen Stil verpasste.
Inzwischen haben sich Soundsystems weltweit etabliert. Und auch die Clashes finden nicht mehr nur auf Jamaika, sondern überall rund um den Globus statt. Neben Ruhm und Pokalen geht es mittlerweile auch um üppige Preisgelder. Bei dem Aufeinandertreffen spielen eigene, leistungsstarke Boxen-Sets weniger eine Rolle als exklusive Dubplates – Stück, die ein bestimmter Musiker speziell für das Soundsystem einsingt. Zum Teil geben die Betreiber mehrere hundert Dollar für eine einzige Platte aus. Das Stuttgarter Soundsystem Sentinel gehört weltweit zu den besten deutschen Vertretern in diesem Geschäft. Gefragt sind Soundsystems auch als Unterstützung für Reggae-Konzerte, bei denen Sänger oder MCs ohne Band auf Tour gehen.
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