Jugendtheater
Die Definition des Jugendtheaters scheint auf den ersten Blick einfach, ja fast banal leicht zu sein. Sie setzt sich schließlich aus zwei Begriffen zusammen, die bei jedem, unabhängig von Alter, Herkunft und Bildung, eindeutige Assoziationen hervorrufen. Die genaue Begriffsbestimmung ist nichts desto Trotz schwierig. In dem Fall gilt es: „quot capita tot sententiae“- so viele Köpfe, so viele Meinungen. Sogar Theoretiker des Theaters, Theatergruppen und Theaterleute benutzen die Bezeichnung „Jugendtheater“ abwechselnd und in verschiedenen Kontexten. Als Jugendtheater wird das professionelle Schauspiel des Erwachsenen für das jugendliche Publikum (Theater FÜR Jugendliche), das Schauspiel der Jugendlichen (Theater VON Jugendlichen) und die pädagogische Arbeit mit Jugendlichen im Theater (Theater MIT Jugendlichen) genannt. Manchmal wird Jugendtheater als Sammelbegriff dieser Formen benutzt.
Die Schwierigkeit im Definieren des Begriffes „Jugendtheater“ hängt mit der Tatsache zusammen, dass es implizit zwei Kategorien- eine pädagogische und eine künstlerische, beinhaltet. Die Gewichtung beider Aspekt des Jugendtheaters ist in den historischen und aktuellen Konzeptionen unterschiedlich bestimmt. Die pädagogische Kategorie ist durch das Subjekt des Jugendlichen im Theater vertreten. Daraus ergibt sich eine Reihe von der pädagogischen Handlungen; Angefangen von konzeptioneller Absichtsklärung, didaktischen Vermittlungsüberlegungen, bis zum Einbeziehen des Theaters als unterstützende Institution in der Erziehung. Als Ziel der pädagogischen Arbeit im Theater wird das Artikulieren der Lebensinhalten, Stärkung oder Entwicklung der Persönlichkeit, Erklären der Wirklichkeit, Korrektur der Lebensinhalte und ästhetische Bildung genannt. Die hier genannten Ziele werden mit den für das Jugendtheater spezifischen Mitteln erreicht, die den Lernprozess unterstützen. Dazu gehören: Reinigung durch Furcht und Mittleid (was der antiken Vorstellung der Katharsis ähnelt), ängstigen oder erleichtern (um auf unerwünschtes Verhalten und seine Folgen aufmerksam zu machen), Modell geben (um die Korrektur der Lebensinhalte zu beabsichtigen oder um die Zuschauer in ihrer Persönlichkeit zu stärken), Informieren oder zumindest Bewußtmachen.
Die künstlerische Kategorie, die das Theater immanent als eine der Künste definiert, wird im Jugendtheater in der Wechselwirkung mit der pädagogischen Intentionen gesehen. Der abstrakte, ästhetische Genuss im Theater kongruiert nicht mit dem Entwicklungsstand und der Bedürfnissen des spezifischen Publikums. Die vielfältigen Formen des Jugendtheaters wurden in seiner jungen Geschichte unterschiedlich intensiv betrieben. Die traditionsreichste Form- das Theater für Jugendliche, hat mit Sicherheit die Entwicklung und die Inhalte der anderen geprägt. Heutzutage beeinflussen sie sich gegenseitig und sind nicht eindeutig zu trennen.
Beata Anna Schmutz
Theatergruppe RAMPIG Haus der Jugend Heidelberg
beata.schmutz(at)rampig.de
Verlinken Sie diesen Artikel auf Ihrer Webseite: