Fachhochschulreife an der Waldorfschule

Mit dem katastrophalen Abschneiden der deutschen Schüler bei der ersten Pisa-Studie vor einigen Jahren rückten Privatschulen als Alternative zu den staatlichen Einrichtungen in den Mittelpunkt der öffentlichen Aufmerksamkeit. Obgleich solche Schulen in freier Trägerschaft derzeit wie Pilze aus dem Boden schießen, können sie die ständig wachsende Nachfrage nach privater und individueller Bildung bei weitem nicht decken.

Zu den staatlich anerkannten Ersatzschulen in freier Trägerschaft zählen auch die 212 deutschen Waldorfschulen. Sie verfolgen ein besonderes Konzept: Aus dem anthropologischen Menschenbild des Schulgründers Rudolf Steiner resultiert die gleichberechtigten Förderung der intellektuell-kognitiven („Denken“), der künstlerisch-kreativen („Fühlen“) und der handwerklich-praktischen („Wollen“) Fähigkeiten der Schüler an den Waldorfschulen. Gegenüber den staatlichen Schulen bieten sie eine Vielzahl handwerklich-künstlerischer Fächer.

Die Regelschulzeit an deutschen Waldorfschulen beträgt zwölf Jahre. Abgeschlossen wird mit dem Waldorfschulabschluss, der in Deutschland jedoch staatlich nicht anerkannt wird. Aus diesem Grund erfolgt in einem zusätzlichen 13. Schuljahr durch eine Vertiefung der Unterrichtsinhalte in abiturrelevanten Fächer die Vorbereitung auf das Abitur bzw. die Fachhochschulreife. Die Erlangung der Fachhochschulreife wird allerdings nur an Waldorfschulen in Schleswig-Holstein, Baden-Württemberg, Hessen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Mecklenburg-Vorpommern angeboten.

Auf dem Weg zur Fachhochschulreife an der Waldorfschule stehen drei schriftlich zu prüfende Fächer, davon zwei Leistungskurse und ein so genanntes Überprüfungsfach an. Da sich die Fachhochschulreife aus zwei Teilen, dem theoretischen und berufsbezogen, zusammensetzt, muss sich für das volle Fachabitur ein einjähriges Praktikum, oder eine 2jährige Berufsausbildung oder eine 5jährige Berufstätigkeit anschließen. Ein freiwilliges soziales Jahr (FSJ), der Wehrdienst oder ein anderer Wehrersatzdienst kann bis zu einem halben Jahr angerechnet werden. An manchen Fachhochschulen besteht die Möglichkeit, während des Studiums das Praktikum (teilweise) nachzuholen. Entsprechend Informationen sollten rechtzeitig eingeholt werden. Ist der praktische Teil der Fachhochschulreife realisiert, stellt das zuständige Kultusministerium ein entsprechendes Zertifikat aus.

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