„Systemisches Projektmanagement“

Systemisches Projektmanagement heißt mehr als fachorientiertes Vorgehen, sondern vielmehr ist es geprägt vom Anspruch der Integration von fachlicher Erfahrung und fachlichem Methodenwissen mit sozialer- und emotionaler Kompetenz sowie mit Lösungs- und Prozessorientierung.

Für Projektleiter gilt es daher neben der fachlichen Orientierung auch die Verhaltens- und Emotionsebene im Team zu bedienen. Teamerfolg bedeutet natürlich immer noch das Projektziel in Zeit, Budget und Qualität mit den zur Verfügung stehenden Menschen und Tools zu erreichen. Es bedeutet aber zunehmend auch emotionale und kommunikative Kompetenz sowie persönlichkeitsentwickelnde Kriterien für den Projektleiter selbst und das Team zu fördern. Der moderne Projektleiter ist nicht mehr alleine der Macher, der die Fäden zieht, sondern auch derjenige, der das Projektteam in der Form fördert, dass eine Team-Einheit und Raum für Kompetenzausübung entstehen.

Ein Beispiel für emotionale und kommunikative Kompetenz ist die Arbeit mit Bildern, Metaphern und Geschichten. Wenn ein Projekt erfolgreich verlaufen ist, gilt es diesen Erfolg, den des Teams und jedes Einzelnen, zu würdigen. Auf die Zukunft bezogen bedeutet dies den angestrebten Erfolg zu vermitteln: Denn zu den Besten gehören nur jene Teams, die sich die zukünftige Geschichte vom Erfolg erzählen! In beiden Fällen, für Vergangenes und Zukünftiges, eignen sich die Methoden des Storytellings, wie das Storyboard, die Basisgeschichte oder Veränderungsgeschichte. Storytelling ist eine Methode, um Wissen, Erlebnisse und zukünftige Ziele in Gestalt von Geschichten, Bildern und Metaphern transparent zu machen. Als wirkungsvolles Kommunikationsinstrument wird Storytelling daher gezielt im Management zur Kulturentwicklung, für das Wissensmanagement oder als Motivationsstory eingesetzt.

Mit emotionaler Kompetenz wird auch die Fähigkeit eines Projektleiters verbunden, eine ausgewogene Annerkennungs- bzw. Feedbackkultur im Team zu schaffen, das positives und negatives Feedback in wertschätzender Form zulässt. In diesen Fällen eignet sich die Arbeit mit Modellen aus der Transaktionsanalyse, ein psychologisches Kommunikationsmodell, das u.a. die Grundbedürfnisse (Bedürfnis nach positiver und negativer Annerkennung) von Menschen thematisiert.

Für den Projektleiter gehört neben seiner sachlichen Herangehensweise auch die Fähigkeit dazu Emotionen wie z.B. Freude, Angst oder Wut bei sich und anderen zu erkennen und zu zuzulassen. Das ist eine Form der Empathie, die Projektleiter im Umgang mit sich selbst und seinen Kollegen für den Teamerfolg benötigt. Die einfachste Art zu „Emotionalisieren“ ist seine Projektmitglieder ab und an zu fragen „Wie geht es dir und erzähl doch mal“ und dem damit verbundenen aktiven Zuhören.

Im systemischen Projektmanagement wird auch häufig vom Perspektivenwechsel gesprochen, der vor allem dann zwingend notwendig wird, wenn eine Projektsituation verfahren oder wie eine Sackgasse erscheint. In komplexen Projektsituationen, werden oft nur dann umfassende Lösungsmöglichkeiten entwickelt, wenn die Beteiligten andere Sichtweisen oder zirkulären Fragenstellungen nachgehen. In beiden Fällen braucht es eine Selbst-Coaching-Kompetenz der Projektleiter oder Unterstützung durch einen externen Coach, der im Zusammenspiel mit den involvierten Projektmitgliedern durch seine Fragen und Methoden weitere Perspektiven auf komplexe Situationen entstehen lässt.

In Anlehnung an das Zitat von Laotse „Wer andere kennt, ist klug. Wer sich selbst kennt, ist weise“ führt eine erhöhte Reflexionsfähigkeit der Projektmitglieder zu einer verbesserten Selbststeuerung und -Gestaltung in herausfordernden Projektsituationen. Neben einer kontinuierlichen Projektteamentwicklung sollte daher in jedem Projekt entsprechender Platz für Selbsterfahrung und kollegialer Beratung bestehen.

Kerstin Türkis
Coaching Mannheim . Coach Kerstin Türkis
www.kerstin-tuerkis.com

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