David Hamilton – wie ein Tischler zum Fotografen wurde

Wer war dieser David Hamilton und wie wurde er ein sanfter Revolutionär?
Hamilton wurde 1933 in London geboren, war also zum Zeitpunkt der TWENVeröffentlichung bereits 36 Jahre alt. Ursprünglich machte er eine Tischlerlehre, fand Anerkennung und arbeitete bald in einem Architekturbüro. Zwei Parisreisen veranlassten ihn, ganz nach Paris zu ziehen, wo er seinen Lebensunterhalt zunächst mit Entwürfen für Geschäftseinrichtungen verdiente. Durch gleichzeitige Beschäftigung mit Malerei und Grafik-Design wurde er von der Zeitschrift „Elle“ entdeckt und als Layouter eingestellt.
Nach kleinen Zwischenstationen wurde er künstlerischer Leiter des Großkaufhauses „Printemps“ und prägte hier unter anderem die Außenwerbung. Durch diese Arbeit kam Hamilton mit der Fotografie und Fotografen in Kontakt un begann selbst fotografisch tätig zu werden. Dabei fotografierte er zunächst junge schwedische Fotomodelle für seine Kaufhauswerbung, mietete auch ein eigenes Studio an. Das war 1962. Im Sommer dieses Jahres entdeckte er seine Liebe zu Südfrankreich, begeisterte sich für das freizügige Strandleben von St. Tropez und kaufte etwas landeinwärts – in Ramatuelle – ein uraltes Haus.
Damit waren alle Puzzlesteine für die sanfte Revolution vorhanden, und Hamilton setzte sie jetzt schnell und logisch zusammen: Junge blonde Schwedinnen, die nackte Haut von St. Tropez, das südfranzösische Flair, die alten Gemäuer seines Hauses, das sein Atelier wurde, und seine gestalterische und grafische Originalität und Kreativität, darunter die Hinwendung zu weichgezeichneten Bildern. Gleich wie man zu Hamiltons Fotografien stehen mag, er wurde ein Meister des Lichtes und der Komposition, dem es glückte, ein letztlich immer wieder gleiches Thema auf eine Art und Weise zu variieren, die keine Langeweile aufkommen ließ. Hamilton wurde berühmt und wohlhabend, zunehmend wurde auch die weite Welt sein Atelier, er flog mit seinen Modellen zum Bildermachen an den Strand der Malediven. Hamilton widmete sich auch der nostalgischen Sachfotografie, Sujets wie alten Tonkrügen oder Blumensträußen, Heuhaufen oder alten Gemäuern. Er fotografierte Städte und Landschaften, darunter ein sehr weichgezeichnetmelancholisches Venedig, drehte erotische Filme. Als großer, wenn auch eitler Künstler konnte Hamilton andere Große vor und neben sich durchaus anerkennen: So fotografierte er eine „Hommage an Balthus“, den großen Maler und Bruder im Geiste.
Vor allem werden aber mit seinem Namen seine Fotografien junger Mädchen und Frauen verbunden bleiben, nostalgisch, erotisch und verträumt. Hat Hamilton mit seiner Arbeit in dieser fotografischen Richtung aufgehört? Zweifellos gab einige ruhigere Jahre, mitbedingt – wie Hamilton in einem Interview andeutete – durch die öffentliche Aufmerksamkeit, die einige Skandalfälle im Umgang mit Kindern und Jugendlichen erregten, und die zeitweise jede künstlerische Beschäftigung mit sehr jungen Menschen in Verdacht setzte. Bekannt geworden ist aber, dass Hamilton vor einiger Zeit ein neues Buch herausgebracht hat, das sich der Darstellung junger Frauen in seiner unverwechselbaren Art widmet – ein Buch das man nicht kaufen kann. Ein renommierter deutscher Gardinenhersteller, der soeben eine Kollektion der teuersten Gardinen der Welt auf den Markt brachte, suchte nach einem geeigneten und würdigen Marketing-Aufhänger für diese außerordentlichen Textilien. Und so schuf David Hamilton seinen bisher letzten Bildband mit Fotos junger Mädchen, die sich in die teuersten Gardinen der Welt, zum Teil durchwirkt mit Fäden aus reinem Gold, einhüllen. Diesen Bildband erhalten die Käufer der kostbaren Gardinen bei ihrem Kauf gratis dazu.

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